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Dalaruan 

Dalaruan, Campbeltown, Broad Street, 1824 - 1922

Die Brennerei Dalaruan soll 1824 gegründet worden sein. In direkter Nachbarschaft entstanden die Brennereien Glenside, Kintyre und Highland. Aber auch Albyn und Lochhead waren in der Nähe.

Gründer war Charles Colvill, das Unternehmen trug ab 1825 den Namen „David Colvill & Co“.
So wie ich es verstehe, soll der Sohn von Charles eben jener David Colvill sein, der als Banker das höchste Investment einbrachte. Hier hab ich mich vielleicht auch schon zu Beginn gleich verstolpert. Eine Quelle sagt, dass das Unternehmen nach dem Banker und größten Teilhaber benannt wurde, nennt aber nicht die Person. Charles hatte einen Sohn namens David, der auf jeden Fall ins Geschäft einstieg und später auch Investor und Teilhaber der Brennerei Dalintober wurde. Meine Schlussfolgerung ist, dass eben der Sohn von Charles die Finanzierung von Dalaruan übernahm und das Unternehmen nach ihm benannt wurde, alternativ kann es sich um auch um einen Mister "David" handeln, was ich aber nicht glaube.

Weitere Gesellschafter waren übrigens Daniel Greenless (Hazelburn) und später John McMurchy (Burnside, vorher Lochhead).

Überliefert ist, so schrieb es später Brian Townsend, dass sich Charles Colvill mal auf der Isle of Islay ein Hotelbett mit einem Steuerbeamten teilen musste, dieser soll ihm ausführlich von der Whiskyindustrie der Insel erzählt haben. Anschließend zog es Charles nach Campbeltown und er begann das Destillieren, ob anfangs gleich legal oder illegal, ist leider nicht überliefert.

Der Name der Brennerei soll seinen Ursprung in „Dalruhadhain“ haben, eine sehr frühere Bezeichnung von Campbeltown. So berichtet es Alfred Barnard, der die Brennerei 1885 besuchte. Barnard beschrieb die Brennerei technisch und betonte, dass Dalaruan in den letzten Jahren ausgebaut wurde. 1885 gab es drei Getreideböden, vier Malzböden, sieben Washbacks und drei Brennblasen mit einer Kapazität von 2.750, 1886 und 850 Gallonen. In fünf Lagerhäusern war damals Platz für bis zu 3.000 Fässer. Der Whisky wurde als Campbeltown Malt in London, entlang der schottischen Westküste sowie den britischen Kolonien gehandelt.

Ganz gut sieht man die Brennerei auf diesen Karten von 1866 - auf späteren Karten werden die dicht gedrängten Gebäude mehrerer Brennereien nur noch als „Distilleries“ ausgewiesen.

Informationen oder gar Bildmaterial zu den Jahren zwischen 1885 und 1922 zu finden ist alles andere als leicht. Ich habe auf „The Distilleries of Great Britain and Ireland“ im Reprint von James Eadie gehofft, die Reise durch die Brennereien begann jedoch erst im Oktober 1922, da war Dalaruan wohl aber schon stillgelegt.

Im Archiv der Tageszeitungen stoße ich noch auf einen Sturm im Dezember 1883, der etliche Brennereien beschädigte und auch Dalaruan kurz seinen Betrieb einstellen musste.

Am 2. Juli 1896 wurde durch Nachtwächter um 1:30 ein Feuer in der Brennerei bemerkt, Malzböden, Heuboden und Stallungen standen in Flammen und das Feuer trat schnell auf die angrenzenden Getreidespeicher und Lagerräume über. Zufälligerweise konnten Matrosen im Ausguck der ankernden H.M.S. Northampton den Brand bemerken, knapp ausgebildete 50 Matrosen halfen bei den Löscharbeiten. Getreidespeicher, Malzböden und Lagerräume waren nicht mehr zu retten, die Matrosen retten 200 Whiskyfässer (Prioritäten muss man setzen!) vor den Flammen, 900 Scheffel Getreide wurden vernichtet.

Finden konnte ich noch, dass das Unternehmen 1910 in eine Limited umgewandelt wurde, 1922 war dann leider Schluss.

Und dann erschien am Samstag den 5. April 1925 eine Ankündigung in der Sunday Post über eine Versteigerung am darauffolgenden Mittwoch. Dalaruan bietet in Glasgow 22.500 Gallonen (knapp über 100.000 Liter) gereiften Whisky aus den Brennereien Dalaruan und Glengyle an, das Mindestgebot beträgt 15.000 £

Auf Grund eines tragischen Arbeitsunfalls ist leider der Abriss der Brennerei dokumentiert: Am 25. April 1931 informiert der Campbeltown Courier über eine eingesetzte Jury für ein anstehendes Gerichtsverfahren, denn während der Abrissarbeiten an der Brennerei stürzte am 16. März 1931 eine Wand auf den 20-jährigen Arbeiter Charles Staller jr., er kam dabei ums Leben.
Die Broad Street heißt heute New Parliament Place und ist ein von kleinen Doppel- und einzelnen Mehrfamilienhäusern geprägtes Wohngebiet. Die ersten Wohnungen wurden 1936 erbaut.

 
 
 
 
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