Duntocher Distillery
Duntucher Distillery, Gründung unbekannt, 1826 stilllegt.
Die Duntucher Distillery ist wieder einmal so ein Kandidat, auf der eine andere Brennerei ihre Geschichte aufbaut und damit leider viel Unsinn verbreitet. Schon bei der Gründung gibt es Verwirrung, mal ist es 1800, mal 1817 und anderen Quellen nach soll die Brennerei 1823 ihre Lizenz bekommen soll. Aber der gröbste Fehler der immer wieder kopiert wird ist der, dass die Duntocher Distillery die Vorgängerbrennerei von Auchentoshan sein soll. Die Brennerei selber bezieht sich auf die Duntocher Distillery und ihre Gründer, daher ordne ich das hier mal korrekt ein.
Auchentoshan entstand westlich von Duntocher auf dem Auchentoshan Estate, die Duntocher Distllery lag jedoch knapp 2 Kilometer entfernt, im östlichen Teil des gleichnamigen Ortes Duntucher. Die Brennerei behauptet, John Bulloch hätte das Auchentoshan Anwesen erworben und darauf seine Brennerei gebaut, das ist jedoch falsch. Richtig ist, dass Duntocher nachweislich zwei Produktionsphasen hatte und beide mit Insolvenzen endeten.
Das gesamte Anwesen gehörte William Cross, bis dieser 1813 starb. Es heißt, sein Sohn John Cross hätte die Ländereien dann an Bulloch verkauft. John Cross-Buchanan war da aber erst 14 Jahre alt, zudem ist die Geschichte vom Auchentoshan House recht gut dokumentiert. Haus und Ländereien verblieben bis zu seinem eigenem Tod 1839 in seinem Besitz, anschließend erwarb William Dunn den Nachlass, dem gehörte da schon das südlichere Mountblow-Anwesen und eigentlich der halbe Ort.
Das Auchentoshan House wird am 2. Dezember 1822 zusammen mit Wirtschaftsgebäuden und Parkanlagen sowie 17 Acres Grundstück zur Miete angeboten, eine Brennerei wird in der Anzeige nicht aufgeführt. Auch der Hinweis auf eine Wassermühle fehlt, aber natürlich können beide auch unter den Begriff der Wirtschaftsgebäude fallen. Vom Flächenmaß: Das sind übrigens 6,88 Hektar oder 68.800 m².
John Cross-Buchanan besitzt also die Ländereien, lebt aber nicht selber auf ihnen. Er kümmert sich dennoch darum, denn laut dem West Dunbartonshire Council ließ er das Auchentoshan House 1827 aufwändig umgestalten.
Aber zurück zu John Bulloch und der Duntocher Distillery. Laut der offiziell von Auchentoshan behaupteten Geschichte lebte John Bulloch nach Verkauf der Brennerei bis zu seinem Tod im Jahr 1846 auf dem Gelände des Auchentoshan Estate. Auch falsch. John Bulloch, Miller in Duntocher, starb 1845 im Alter von stolzen 96 Jahren, Auchentoshan nennt 87 Jahre. Außerdem war da 1841 der Zensus und da lebte John Bulloch, Miller, 91 Jahre, zusammen mit seinem Sohn Archibald Bulloch, Miller, 50 Jahre, im Bereich der „Kilbowie Road, north of Duntocher Church".
Ich nehme mal eine spätere Karte, damit die räumliche Distanz klar wird. Diese Karte ist von 1861 und zeigt links markiert die spätere Brennerei Auchentoshan und rechts im Ort markiert den Bereich der Zensusadresse 1841. Dank Zensus ist auch die Story mit dem Wohnort 1841 widerlegt.
Im nächsten Schritt lohnt es sich die Geschichte des Ortes noch einmal näher zu betrachten, denn es gab rund um den Duntocher Burn sowie den Mill Dam einige Mühlen. Waulkmill, Duntocher Mill, Hardgate Mill, Faifley Mill. Die Zensusadresse fällt genau in den Bereich einer Mühle. Ich hab hier ja schon William Dunn genannt, der erwarb 1808 Mühlen und Grundstücke und begann großflächig mit der Textilverarbeitung. Aber eine einzige Mühle erwarb er nicht: Die Duntocher Corn Mill, deren Nachweise sich nach 1820 verlieren. Ihr ehemaliger Standort ist aber bis heute bekannt. Der Zusammenhang zwischen einer Corn Mill und einer Brennerei war auch nicht selten. John und Archibald wurden zudem beide 1841 noch als Miller genannt.
Auf dieser Karte von 1860 sehen wir die Kirche und nördlich davon nicht viele Gebäude. Die Straße führt in südlicher Richtung nach Kilbowie. Und der heute bekannte Standort der Corn Mill ist grün markiert. Ich hier lebten und arbeiteten John und Archibald Bulloch, Miller, und zeitweise Distiller der Duntocher Distillery.
Laut diversen Sekundärquellen musste John Bulloch in die Insolvenz und sein Sohn betrieb die Brennerei später weiter. Korrekt ist, dass beide gemeinsam bereits 1821 pleite waren, dies belegt dieser Zeitungsausschnitt vom 26. Dezember 1821 (Glasgow Sentinel).
Auf jeden Fall fand im Sommer 1822 noch einmal eine Gläubigerversammlung statt. Aber kommen wir zu den Fakten und ziehen staatliche Unterlagen heran, genauer gesagt: Die Journals des House of Commons.
Die Brennerei hat spätestens ab 1816 nachweislich produziert, so findet man John Bulloch als "Distiller for Home Consumption" ab 1816. Zwischen November 1817 und November 1818 brannte er 6409 Gallonen Whisky. Von November 1820 bis 1821 brannte John noch 1086 Gallonen. Dann kam die oben genannte Insolvenz, damit endete die erste Produktionsphase.
Archibald Bulloch begann um 1823 erneut die Brennerei zu betreiben, zwischen Oktober 1823 und Oktober 1826 ganze 28055 Gallonen. 1826 endete die Produktion und wurde nicht mehr aufgenommen. Im Dezember 1826 wird die Insolvenz von Archibald Bulloch vermeldet.
Jetzt fragt man sich natürlich, woher das Kapital kam, aber eine Insolvenz muss nicht immer in der Abwicklung enden. Zudem waren andere Zweige der Familie reich. John und Archibald blieben Müller, die Enkel von John Bulloch wurden dann aber ganz groß im Whiskygeschäft. Sie gründeten spätestens in den 1850er Jahren "Bulloch & Co.", daraus wurde dann Bulloch, Lade & Co., sie erwarben Caol Ila und Lossit auf Islay, erbauten Benmore in Campbeltown und fanden sich später mit William Grant bei Tamdhu wieder.
Jetzt noch einmal zu den Mythen. Manche Quellen behaupten, Archibald hätte diese zweite Produktionsphase am neuen Standort auf dem Auchentoshan Estate begonnen, andere sagen, dass bereits John in der ersten Phase auf dem Gelände war. Beides kann nicht stimmen, die Duntocher Distillery war nie der Vorläufer von Auchentoshan. Denn faktisch stand das Land bis 1826 auch gar nicht zur Verfügung. John Cross-Buchanan suchte für das westliche Teilstück der Ländereien erst im Januar 1826 einen Pächter, hier dazu die Anzeige im Glasgow Herald.
Auchentoshan behauptet, die Bullochs hätten ihre Brennerei dann nach finanziellen Schwierigkeiten an die Filshies verkauft. Demnach könnte man auch davon ausgehen, dass 1826 Archibald Bulloch nach der Insolvenz den Pachtvertrag für Auchentoshan schloss und mit seiner Duntocher Distillery auf das Auchentoshan Estate zog und dort produzierte, sie dann später verkaufte. Wahrscheinlicher ist: Archibald Bulloch hat nie auf dem Auchentoshan Estate Whisky produziert. Die Dokumente des House of Commons sind in den Zeiträumen abrufbar, demnach hat nur eine Brennerei knapp 2,5 Kilometer östlich des Auchentoshan Estate Whisky gebrannt: Little Mill (Littlemill) in Bowling.
Pächter des westlichen Teils des Auchentoshan Estates wurden die Filshies, James Filshie und seine Söhne James und Alexander. Sie betrieben eine Landwirtschaft und errichteten Gebäude. John Hart, Ehemann von Catherine Filshie, gründet die Brennerei Auchentoshan auf dem Pachtgrundstück ihrer Familie und nahm im Jahr 1830 den Betrieb auf.
Eine Verbindung die zwischen John Bulloch und dem Auchentoshan Estate bestand: Er sollte u.a. 1803 interessierten Pächtern im Auftrag des Eigentümers die Grundstücke zeigen. Aber Brennereien fehlten hier noch.
Mir kamen nun zwei Verbindungen zwischen Duntocher und Auchentoshan in den Sinn:
John Hart wurde 1825 im benachbarten Old Kilpatrick bei der Geburt seines Sohnes als Distiller registriert, hieraus machen einige Autoren die Vermutung, er hätte in der Zeit für Archibald Bulloch gearbeitet. Die Filshies lebten rund um Dalmuir, Old Kilpatrick und Dalnotter. Von Old Kilpatrick waren es 3 Kilometer bis in die Duntocher Distillery. Zu Littlemill waren es nur 2 km. Dennoch stimmt die Vermutung zur Arbeit bei Duntocher, aber dazu komme ich gleich.
Die zweite mögliche Verbindung der Brennereien wäre, dass John Hart für die Errichtung der Brennerei Auchentoshan Equipment von Archibald Bulloch erwarb und damit Teile der Duntocher Distillery in Auchentoshan Verwendung fanden.
Und das wird so gewesen sein, denn wir müssen uns noch einmal die Familie von John Hart anschauen. John war nicht nur mit Catherine Filshie verheiratet, John Hart hatte eine ältere Schwester: Margarete. Und die heiratete 1821 John Bulloch. John Hart und seine Schwester sind die Verbindung zwischen den Bullochs (Duntocher) und den Filshies (Ab 1830 Standort der Auchentoshan Distillery). Damit ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass John Hart sein Handwerk bei Duntocher gelernt hat und vielleicht Teile des Equipments innerhalb der Familie zu Auchentoshan übergingen.
Mein Fazit: Die genaue Gründungszeit der Duntocher Distillery ist nicht belegt. Gründer war John Bulloch, sein Sohn Archibald versuchte sich nach der Insolvenz erneut im Betrieb der Brennerei, die Produktion endete 1826. Die Brennerei stand im östlichen Teil von Duntocher, zu ihr gehörte die Duntocher Corn Mill an der Roman Bridge, gegenüber der Kirche.
Das "Est. 1823" auf den heutigen Auchentoshan-Abfüllungen erinnert somit nicht an die Gründung von Auchentoshan und deren "Lizenz", es erinnert an das Scheitern der Duntocher Distillery und Archibald Bulloch. Die familiäre Verbindung zwischen beiden Brennereien besteht durch John Hart.
Ich denke, die Marketingabteilung hatte da ursprünglich etwas anderes im Sinn... aber leider sind auch Teile der späteren Geschichte nicht korrekt. Dazu komme ich dann in einem extra Beitrag zu Auchentoshan.



