Hazelburn
Hazelburn, Campbeltown, Millknowe Road, 1825 - 1925
Der Name ist als Marke der Brennerei Springbank bekannt und leider wissen nur wenige woher dieser stammt, denn einst war Hazelburn die größte Brennerei in Campbeltown.
Definitiv gegründet wurde Hazelburn im Jahr 1825, wobei es auch hier und da Daten vor 1800 gibt, allerdings ist dann die Frage, wer denn wo jetzt genau als Schwarzbrenner aktiv war. Waren es die Gründer Matthew & David Greenles sowie Archie Colville? Oder wurde an dem Ort der späteren Brennerei bereits vorher von anderen Schwarzbrennern illegal Whisky hergestellt? Hat einer der Gründer genau an dem Ort der ersten Hazelburn-Brennerei schon vorher seinen Spaß mit Kupferbrennblasen gehabt? Nichts genaues weiß man, aber angeblich gab es Hazelburn bereits ab 1796.
Und dann kommen wir zum Ort, denn der hat zwischenzeitlich noch einmal gewechselt. Anfangs soll Hazelburn am südlichen Ende der Longrow gewesen sein, 1836 wurde dann die Brennerei auf einem Grundstück zwischen der Millknowe Road und der Lochend Street erbaut, direkt anliegende Nachbarn waren die Argyll Distillery sowie Lochhead. Die ursprüngliche Brennerei Hazelburn konnte ich bisher nicht lokalisieren. Am südlichen Ende der Longrow lagen u.a. Springbank, Longrow und Springside, irgendwo dort muss sie sich befunden haben.
Hier sehen wir die 1836 errichtete Brennerei in zwei Kartenausschnitten.
Im Jahr 1885 besuchte Alfred Barnard die Brennerei und er beschreibt relativ lang die Anreise nach Campbeltown, auch der eigentliche Bericht zu Hazelburn ist einschließlich Zeichnungen und Lageplan recht umfangreich. Vorher gibt es neben dem Bericht der Anreise auch wieder einen Ausflug in die schottische Geschichte, er beschreibt Campbeltown abermals als Stadt der schottischen Könige und nennt Fergus den Ersten.
(Anmerkung: Barnard bezieht sich damit auf das Königreich „Dal Riata“ / Dalriada, ein frühes gälisch/keltisches Königreich, welches den Westen Schottlands und Teile des heutigen Nordirlands umfasste)
Anschließend ordnet Barnard die jüngere Whiskygeschichte der Stadt ein und zitiert eine überlieferte Anekdote aus der Zeit der Schwarzbrenner, die ich hier versuche möglichst originalgetreu übersetzt wiederzugeben. Es geht in der Anekdote um eine ältere Dame die nahe der Brennerei Hazelburn lebte und die der Schwarzbrennerei und des Schmuggels angeklagt wurde, sowie um dem angeblich laschen Umgang der Strafverfolgung vor der Legalisierung.
„Nachdem die Anklage als bewiesen galt, oblag es Seiner Lordschaft, das Urteil zu verkünden. Als er dies tun wollte, sprach er die Schuldige wie folgt an: „Ich wage zu behaupten, meine gute Frau, dass Sie sich dieses Fehlers nicht oft schuldig gemacht haben.“ „Gewiss nicht, Herr Sheriff“, antwortete sie prompt, „ich habe keinen Tropfen mehr gemacht seit jenem kleinen Fässchen, das ich Ihnen selbst geschickt habe.“
Barnard beschreibt, dass Hazelburn im Gegensatz zu anderen Brennereien nicht aus kleineren Gebäuden rund um einen Innenhof angeordnet sei, wie es eben üblich in Campbeltown war, sonders das Grundstück deutlich größer war. Es bestand aus zwei großen Höfen einschließlich mehrerer Transportwege. Das Wasser zum Maischen bezog die Brennerei aus dem Crosshill Loch, für alle anderen Produktionsschritte nutze man Wasser aus einem Brunnen. Die Gerste soll überwiegend aus Perthshire und Moray stammen, sie wird per Schiff angeliefert.
Die Mälzerei umfasste 5 Malzböden und drei Kilns, daneben gibt es eine Mühle. Es gab ein kombiniertes Maisch- und Brennhaus, die Mash Tun war mit entsprechenden Rührwerken versehen. Hazelburn verfügte im Jahr 1885 über ganze neun Washbacks zu je 6.000 Gallonen und drei Brennblasen. Die Wash Still mit einer Kapazität von 7.000 Gallonen soll die größte in Campbeltown gewesen sein, die beiden anderen (Spirt) umfassen jeweils 1.800 Gallonen.
Anmerkung: Barnard schrieb kurz darauf der Brennerei Ardlussa eine Wash mit 18.000 Gallonen zu, was ich als Fehler vermutete, dieser Bericht bekräftigt das. - Don’t drink and write).
Die Lagerhäuser müssen beeindruckend gewesenen, in insgesamt 9 Warehouses lagen zum Zeitunkt des Besuchs 302.000 Gallonen Whisky, das sind fast 1,4 Millionen Liter. Laut Verwalter waren die Lagerhäuser aber nur zu etwas mehr als die Hälfe gefüllt, denn es wäre Platz für insgesamt rund 500.000 Gallonen. Allein im Jahr 1885 soll die Jahresproduktion bei 192.000 Gallonen gelegen haben, weshalb neben den 22 Beschäftigten auch drei Finanzbeamte (Inland Revenue Officers) für Hazelburn abgestellt worden sind. Der Whisky selbst wurde als Campbeltown Malt gehandelt.
Hier sehen wir den Lageplan aus dem Werke von Alfred Barnard aus dem Jahre 1885, er ist im Sinne des Urheberrechtes altersbedingt gemeinfrei, außerdem zwei weitere Zeichnungen.
Aber weiter in der der Geschichte von Hazelburn.
Im „Oban Times and Argyllshire Advertiser“ vom 7. April 1888 wird die Firma der Greenlees Brothers mit ihren weltberühmten Marken, der Brennerei Hazelburn sowie den Lagerhäusern in Glasgow genannt. Die aufgeführten Marken heißen: The Rising Sun, Erin-dale, Clan Ronald, Glenlivet, Clayore, Dunblane, Heather Bell, Bengullin, Islay, Deeside, Slieve Bloom, Special Reserve, Glenquioch, Campbeltown und Glenneil.
Anmerkung - Ich denke hier handelt es sich um eine abschließende Aufzählung aller verkauften Abfüllungen des Hauses Greenlees, denn der Beitrag hat den Charakter einer Werbeanzeige.
1904 findet sich die Meldung, dass das Unternehmen seine Lagerhäuser erweitern möchte.
Die Jahre bis von 1880 bis 1910 sind in der Berichterstattung ansonsten recht unspektakulär. Ein Arbeitsunfall ging glimpflich und ohne schwere Verletzungen aus, mal wurde ein Dieb erwischt und ein anderes Mal ist ein bekannter Einbrecher auf dem Dach eines Lagerhauses festgenommen haben, ohne jedoch zur Tat zu schreiten. Der Verdächtige erschien übrigens betrunken zur Anhörung und verteidigte sich damit, dass der Hund eines Untermieters ausgebüxt sei und er diesem folgen wollte….. und dann fand er sich plötzlich auf dem Dach wieder.
Einige Jahre später, 1913, wurden Einbrecher dabei erwischt, wie sie gerade Fässer aufbrechen und sich Whisky in mitgebrachte Glasflaschen füllen wollten. Der Hauptverdächtigte wurde zu 10 Tagen Haft verurteilt und wegen Angriffs auf Polizeibeamte kamen noch einmal 21 Tage oben drauf.
Im Jahr 1920 kam die Brennerei über das Unternehmen Mackie and Co. zu White Horse Distillers Ltd. oder vielleicht doch 1919? Siehe späterer Text.
Ab den 1920er Jahren finden sich in den Zeitungen Artikel zu Gerichtsverhandlungen zur steuerlichen Bewertung der Brennerei und der Lagerhäuser. Es finden sich auch zu ähnlichen Verfahren zu vieler anderer Brennereien, immerhin war die Whiskyindustrie im Niedergang.
An dieser Stelle folgt nun wieder ein ausführlicher Bericht aus dem Werke „The Distilleries of Great Britain and Ireland", zuletzt im Reprint von James Eadie erschienen, der Bericht ist vom 14. Dezember 1922. Vorab zeige ich euch eine der Fotografien von 1922, die weiteren zeigen übrigens auch einen Innenhof sowie das gleich zitierte Labor.
Der Bericht beginnt dann damit, dass die gefeierten Produzenten der White Horse Whiskies vor drei Jahren die Brennerei Hazelburn übernommen haben und die Veränderungen in den Abläufen wären nun revolutionär, dem Bericht nach hätte Mackie and Co. die Brennerei dann aber schon 1919 erworben.
Das schottische Getreide wird als „heavy Scotch“ beschrieben, es werden zudem große Mengen Gerste aus Dänemark verarbeitet, welche sich genauso gut wie die lokale Gerste zum Mälzen eignet. Hazelburn verfügt Ende 1922 über 6 Malzböden und soll ein ausgetüfteltes Belüftungssystem mit Rohren geben. Zum Trocken des Malzes werden Torf und Koks verwendet, in der Mühle arbeitet eine Porteous-Malzmühle. Das Wasser für die Mash Tun hat ca. 65 Grad und die Maische wird auf 22 Grad abgekühlt, bevor sie in die acht Washbacks gefüllt wird. Zudem verfügt Hazelburn über eine eigene dampfbetriebene Vorrichtung zur Trocknung des Trebers, der anschließend an Landwirte verkauft wird. Auch eigene Ländereien mit Torfvorräten werden genannt, die Ausstattung der Brennerei mit elektrischem Licht betont.
In sechs Lagerhäusern liegen zusammen 600.000 Gallonen Whisky, dazu gibt es ein weiteres zentrales Lagerhaus mit bis 700.000 Gallonen, in welchem das Unternehmen Fässer aus dem ganzen Land lagert. Erst kürzlich wurden zwei komplette Schiffe mit über 124.000 Gallonen Whisky aus der unternehmenseigenen Craigellachie (-Glenlivet) Distillery im Hafen von Campbeltown entladen. Hazelburn unterhält zudem ein modernes Labor, in welchem neben der Erforschung von Effizienzgewinn unter anderem eine ständige Qualitätskontrolle erfolgt, auch für die drei anderen Brennereien des Unternehmens ist das Labor im Einsatz.
Und am Ende sagt der Bericht auch noch etwas zu den früheren Schmuggler-Zeiten. Im Jahr 1725 sollen 32 Brennereien in der Gegend aktiv gewesen sein und es soll Unterlagen geben, die Hazelburn 1796 die Brennlizenz nachweisen. Der Bericht zeigt auch eine Kopie einer damaligen Brennlizenz, diese wiederum ist aber nur ein Beispiel und ist kein Bild des Originals von Hazelburn. Dieser Nennung hier wird vermutlich der Grund für die oft zitierte Jahresangabe 1796 sein.
Tja, und wenig später war dann schon Schluss, mit dem Bericht und auch mit der Brennerei.
Hazelburn soll schon in den Jahren vor der Stilllegung deutlich heruntergefahren worden sein, im Jahr 1925 folgte die Schließung. Die Lagerhäuser hingegen fanden noch einige Jahrzehnte Verwendung.
Folgende Aufnahme stammt aus dem Jahr 1971 von John R Hume - in dem Archiv finden sich auch viele weitere Fotos, viele zeigen eine innen leergeräumte Brennerei. Leider kann ich diese Aufnahmen bisher nicht verwenden, da weder Aufnahmejahr noch Urheberschaft abschließend geklärt sind. Aber hier die angekündigte Außenaufnahme aus dem Jahr 1971
In dieser Perspektive schauen wir heute auf einen Teil der Brennerei - zumindest von der Millknowe Road kommend, im Hintergrund sieht man noch ein paar ältere Gebäude. Auf der anderen Seite des Blocks sind dann Teile des Tesco-Parkplatzes auf dem ehemaligen Brennereigelände erbaut. Millknowe Road https://maps.app.goo.gl/7BHbJuJgjg5oocHg9
Und hier dürften wir noch einen Rest Hazelburn von der Lochend her sehen, rechts daneben dann der Supermarkt (an dessen Stelle die Lochhead-Distillery stand): https://maps.app.goo.gl/9GGFtsp7fZvDFViH7






