Bowmore
Hier kommt gleich die Frühgeschichte der Brennerei. Direkt zu den Tastingnotes
Bowmore, Islay - 1779 bis heute
Bowmore soll die erste legale Brennerei auf Islay gewesen sein und wurde wohl bereits 1779 von David Simson gegründet. Die Brennerei verblieb im Besitz der Familie und wurde dann wohl 1837 an die Familie Mutter verkauft. Aus den frühen Jahren ist leider nicht viel dokumentiert.
Laut einer Zeitungsanzeige vom 9. Juni 1844 hieß der damalige Distillery Manager George Eckford.
Aus dem Greenock Advertiser vom 22. Januar 1850 geht noch einmal die Eigentümerschaft hervor, W. & J. Mutter werden erwähnt. Der Bericht beschreibt die wirtschaftliche Lage auf Islay, alle Brennereien exportierten rund 10.000 Gallonen (ca. 45.000 Liter) pro Woche, der Whisky der Insel wurde überwiegend nach Glasgow verschifft. Bowmore sei den Whiskys des Nordens wie Glenlivet mindestens ebenbürtig.
1860 findet sich dann der Beschuss des Islay Sheriff Circuit Court, demnach wurde ein Haftbefehl gegen den Brennereimitarbeiter William MacIndoer erlassen, er soll betrunken Landfriedensbruch begannen und seinen Kollegen Robert Bain (Küfer bei Bowmore) tätlich angegriffen haben. Ich vermute ja stark Alkohol am Arbeitsplatz....
Ende März 1891 wird die Brennerei dann an eine Londoner Investorengruppe verkauft, hier findet sich der Name „Messers Boyd, Jameson & Kelly W.S.“, diese könnten die juristischen Vertreter oder Treuhänder der Investorengruppe gewesen sein. Aber ein Name fehlt noch: Joseph Robert Holmes, aber zu dem komme ich später noch.
1893 wird ein Markenrechtsstreit geführt, denn die Bowmore Distillery Company wollte die Marke „Bowspey“ eintragen und schützen lassen. Die Brennereien Glen Grant und Dailuaine ließen sich das nicht gefallen und erhoben Einspruch wegen dem Wortbestandteil „Spey“ - dies sei irreführend, da es sich bei den Produkten der Bowmore Distillery um Islay-Whisky handelt. Dem Einspruch wurde stattgegeben. Was aus dem Bericht auch hervorgeht: Die juristische Geschäftsadresse der Bowmore Company schien zu der Zeit die Idol Lane in London gewesen zu sein. Übrigens: Zwar wurde die Marke nicht geschützt, die Brennerei hat ihren Whisky trotzdem eine Zeit lang als Bowspey angeboten.
Ende Oktober 1894 vermeldet der Campbeltown Courier, dass bei Bowmore nach umfangreichen Erweiterungsarbeiten künftig zwischen 7.000 und 8.000 Gallonen Whisky produziert werden können, wöchentlich. Die Investoren haben also ihren Job gemacht und in die Brennerei investiert.
Und noch noch eine Werbung von 1897 - wer genau hinschaut, sieht die (nicht eingetragene) Marke „Bowspey“.
Und hier eine Werbung von 1887, mit der Bezeichnung Bowspey
Aus dem Juni 1897 findet sich noch eine Verlautbarung, dass das Mälzen für die Saison beendet sei. Die Brennerei sei zudem mit dem Bau des größten Zolllagers (Bonded Warehouse) auf ganz Islay beschäftigt. Wo waren wir jetzt....1897?
Dann springen wir noch mal zurück, merken uns das Jahr aber gut. Der folgende Text ist teilweise sehr technisch, aber wusstest du dass Bowmore seinen Whisky damals in den Gewölben eines Bahnhofs lagerte und reifen ließ?
Alfred Barnard hat Bowmore während seiner Whiskyreise besucht und gut dokumentiert, seine Aufzeichnungen sind 1886 entstanden. Und sie sind auch ziemlich unterhaltsam.
Barnard beginnt nämlich damit, sich über die schlimme Anreise zu beschweren. Von Port Ellen ging es vier Stunden lang mit der Kutsche durch unbewohntes Gebiet. Ich zitiere: "Auf all unseren Reisen waren wir noch nie eine derart trostlose und einsame Straße entlanggefahren. Glücklicherweise bestand unsere Reisegesellschaft aus einer größeren Anzahl gut gelaunter Personen, denn andernfalls hätten wir diesen düsteren Weg schon lange vor Erreichen unseres Zieles als unerquicklich empfunden." Die Reisegesellschaft versuchte den Kutscher mit Whisky zu bestechen, damit dieser seine Pferde schneller antreibt. Allerdings ohne Erfolg.
Nach einer Beschreibung des Hotels erfährt man dann folgendes: Der Ort Bowmore zählte im Jahr 1886 ca. 800 Einwohner*innen. Die Brennerei liegt direkt am Meer, die einzelnen Gebäude sind etwas verstreut, bilden aber einen umschlossenen Komplex.
Zur Gründung schreibt Barnard, dass die Brennerei Anfang diesen Jahrhunderts (sprich nach 1800) durch die Familie Simson gegründet wurde und vor ungefähr 50 Jahren in das Eigentum der aktuellen Besitzer wechselten. Einerseits verifiziert der Bericht damit den Eigentümerwechsel um 1837, andererseits hat Barnard damals nicht das Jahr 1779 bestätigt. Aber da sind vielleicht andere Whiskyhistoriker weiter und haben einen Quellenbeleg. Erwähnt wird zudem, dass Bowmore um 1837 die einzige Brennerei mit vererbbarem Nutzungs- und Eigentumsrechten (feu / feued) war, alle anderen Islay-Brennereien waren zu dem Zeitpunkt noch Pachtbetriebe und wurden erst später umgewandelt. Barnard erwähnt zudem die Jura Distillery, die früher ebenfalls mal im Besitz der Eigentümerfamilie gewesen sein soll, allerdings wuchs Bowmore stark und Jura sei im Winter zu schlecht erreichbar.
Der Vater war gebildeter Landwirt gewesen und hat sich für technische Weiterentwicklungen im Anbau von Gerste und Weizen auf Islay stark gemacht, als Grundeigentümer und Arbeitgeber war er hoch geschätzt. Zudem berichtet Barnard noch eine Anekdote....
Als Mr. Mutter zum ersten Mal nach Islay kam, wurde er von Captain Walter Campbell zum Abendessen eingeladen. Nachdem das Mahl beendet war, begann der alte Kapitän, ihm einige Ratschläge für sein zukünftiges Leben auf der Insel zu geben. Unter anderem warnte er ihn ausdrücklich davor, Geschenke von seinen Nachbarn anzunehmen.
„Denn wenn sie Ihnen ein Lamm schenken, werden sie später eine Kuh als Gegengabe erwarten. Lehnen Sie daher jedes Geschenk höflich ab – oder bezahlen Sie es sofort.“
1880 ging das Unternehmen dann vom Vater an die beiden Söhne über.
Technisch beschreibt Barnard die Brennerei wie folgt:
- Das Wasser stammt aus dem Laggan River
- Die Lage ist günstig, weil die Brennereiabfälle (Trester / Draft) besonders in den Wintermonaten als Viehfutter eine zusätzliche Einnahmequelle sind
- Vier Getreidelager und fünf Mälzereien sind mit Maßangaben und Produktionsmengen beschrieben
- Es gab drei Malzlager sowie eine Mühle mit Dampfmaschine
- Drei Heißwasserkessel, die mit direktem Feuer erhitzt wurden und knappe 40.000 Liter* Wasser fassten
- Die Mash Tun soll die größte auf Islay gewesen sein und fasste 38.580 Liter*
- Selbst die Pumpen sind mit Herstellernamen und Leistungsvermögen angegeben
- Die Dampfmaschine kam auf 14 PS
- Drei Washbacks mit je 47.000 Litern Fassungsvermögen standen im neuen Tun-Room
Sechs weitere Washbacks standen im Altbau, diese fassten je ca. 27/28.000 Liter
* Literangaben sind von mir errechnet.
Und dann kommt der Bericht zum Brennhaus. Hier beschreibt Barnard insgesamt fünf Brennblasen, drei Wash und zwei Spirit Stills. Die Wash Stills mit einem Fassungsvermögen von 2.200 Gallonen, 2.400 und 2.600 Gallonen (8.500 bis 9.500 Liter). Die beiden Spirit Stills fassten 1.400 Gallonen und 1.210 Gallonen, also 6.364 bzw. 5.501 Liter. Obwohl zu der Zeit einige Brennereien die Befeuerung bereits umgestellt hatten, hielt Bowmore an der direkten Befeuerung der Stills fest. Zitat: "Dies ist eine Praxis, von der die Firma unter keinen Umständen abzuweichen bereit ist."
Auch die Kühlung, Spirit Store usw. werden technisch genauestens beschrieben. Dazu gab es noch zwei Lagerhäuser, das Warehouse No.1, welches direkt in den Fels geschlagen war, sowie Warehouse No.2, welches direkt am Meer errichtet wurde. Barnard erwähnt aber auch, dass die Brennerei deutlich mehr Lagerkapazitäten in Glasgow vorhält und dort seinen Whisky lagert, genauer gesagt in den Gewölben unterhalb der Central Station. Auf Grund der hohen Transportmengen nach Glasgow unterhält die Brennerei mit der S.S. James Mutter ein eigenes Dampfschiff. Für den Winterbetrieb lagern zudem 1.000 Tonnen Kohle und 1.200 "Ladungen" Torf in der Brennerei. Die Gerste kommt überwiegend vom Festland. Die Jahresproduktion wird mit 200.000 Gallonen Whisky angeben.
Zum Ende hin noch eine Zeichnung aus dem Jahr 1886. Urheberrechtlich mittlerweile gemeinfrei. Zudem eine Karte aus dem Jahr 1897.
Anschließend durchschreiten wir die Jahrhundertwende. Die Kurzfassung: Krise, kurze Erholung, Krieg, schwere Krise, Erholung, noch mehr Krieg. Dazwischen auch Phasen, in denen die Brennerei beinahe schon eine Lost Distillery war. Aber der Reihe nach.
1900 - 1925
Im Jahr 1900 und in den ersten Folgejahren finden sich in den Zeitungen weiterhin viele Werbeanzeigen der Brennerei, auch ist ein Bericht dokumentiert, dass der amerikanische Markt stark wachse. Allein im November 1905 wurden zudem 8.994 Gallonen (ca. 41.000 Liter) Whisky für das Vatting verschifft. Bowmore ging es zu dieser Zeit offensichtlich blendend (Wortspiel).
Am 8. Dezember 1905 brach gegen 22.30 Uhr ein großes Feuer in einer der Mälzereien (No. 1 / Kiln) aus, ein Übergreifen des Feuers auf die benachbarten Malzböden und das Stillhouse konnte verhindert werden. Das Gebäude mit dem Kiln wurde jedoch vollständig vernichtet.
1909 finden sich noch Aufzeichnungen über Anlieferungen von Gerste und Kohle, die Mälzerei ist noch in Betrieb und trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage der Branche ging die Produktion unvermindert weiter. Immerhin könne die Brennerei ihren Platz im weltweiten Handel behaupten und genieße seit 1779 einen weltweiten Ruf.
1910 ging es der Brennerei wohl deutlich schlechter, die steuerliche Bewertung der Brennerei (Rateable Value) wurde um 30% reduziert. Die Whiskykrise zog an Bowmore also nicht unbemerkt vorbei. Bowmore schreibt auf der eigenen Homepage, dass die Brennerei zwischen 1892 und 1925 einer ungewöhnlichen Gruppe von vier Investoren gehörte. Ich finde dazu aber vor allem einen Namen: Holmes
Joseph Robert Holmes steht 1924 als Alleininhaber vor Gericht, da er gegen das Arbeitslosenversicherungsgesetz (Unemployment Insurance Act) verstoßen haben soll. Er ging in dem Verfahren gegen ein bereits erfolgtes Urteil in Berufung. Aus dem Campbeltown Courier vom 5. April 1924 erfahren wir dann, dass er Alleininhaber der „Bowmore Distillery Company“ und Eigentümer der Bowmore Distillery auf Islay ist. Diese wiederum ist bereits seit dem Jahr 1915 stillgelegt und er hält die Brennerei mit dem Ziel sie zu veräußern, eine Wiedereröffnung strebt er nicht an. Man erfährt zudem noch, dass er zwei Hausmeister, Vater und Sohn, beschäftigte, welche die stillgelegte Brennerei betreuten und darauf achteten, dass sich niemand Zutritt verschaffte.
Die Verbindung von Holmes zur Brennerei ist auch schon älter, 1904 findet die Wahl zum County Council statt. Er, also „Joseph Robert Holmes, Bowmore Distllery“ gewinnt gegen den bisherigen Vertreter des Bezirkes (Reverend J. A. Campbell, Church of Scotland). Ich vermute, es wird in der Company eine Zeit lang stille Teilhaber gegeben haben. Ob und wann diese gegebenenfalls vor dem Verkauf ausgeschieden sind, konnte ich auf die Schnelle nicht finden. Zudem wird sein 25-jähriges Jubiläum als Inhaber im Jahr 1916 gefeiert, in seiner Abwesenheit - da er gerade in London weilt. Demnach müsste er Bowmore jedoch bereits im Februar 1891 übernommen haben, also ein Jahr früher als die Brennerei das heute selbst ausweist. Nachträglich finde ich Berichte darüber, dass er bereits 1892 gegenüber Behörden und Gerichten als Vertreter und Eigentümer der Brennerei auftrat. Somit ist davon auszugehen, dass er seit 1891 Haupteigentümer bzw. geschäftsführender Gesellschafter der Brennerei gewesen ist, obwohl sein Name bei der Übernahme nicht im Konsortium aufgeführt wurde.
Mein Fazit somit: Die Familie Mutter verkaufte die Brennerei 1891 an Joseph Robert Holmes und dahinter stehende Kapitalgeber. Er legte die Brennerei 1915 still und hatte die Wiederinbetriebnahme nie vor.
Im Februar 1925 fand er dann einen Käufer, zumindest wird eine neue „Sheriff’s Bowmore Distillery Ltd.“ mit einem Stammkapital von 30.000 Pfund registriert. Falls jemand den Wikipediaeintrag korrigieren möchte: Holmes wurde nicht 1925 Inhaber der Brennerei, er verkaufte sie Anfang 1925 an Mr. Thomas Sherriff. Zugleich folgte die Ankündigung, die Brennerei werde noch in dieser Saison die Produktion aufnehmen und anschließend mit elektrischem Licht ausgestattet werden.
Hier endete meine frühgeschichtliche Recherche - die jüngere Story ist in anderen Quellen gut nachlesbar. Aber noch zwei Fotos. Das erste stammt aus dem Trove.Scot-Archiv uns ist um 1900 aufgenommen, das zweite hat mir das Museum of Islay Life überlassen, ich schätze es auf 1915 bis 1925, da es entweder noch vor Stilllegung aufgenommen wurde - oder während einer Wartungsphase explizit für den Verkauf entstand.
Aktuelle Beiträge
Bowmore 18 Jahre, 43%. Abgefüllt 2023
Nase: Der Bowmore startet süß mit Bienenwachs, Honig, Sultaninen, getrocknete Kirschen und Orangenlikör. Dazu finde ich Gewürznelken, karamellisierten Rohrzucker und gut gesalzene Rinderbrühe. Der milde Torfrauch hüllt die süßen Aromen gut ein und bleibt die meiste Zeit im Hintergrund.
Gaumen: Deutlich weniger süß als erwartet. Trockene Sherry-Aromen mit Rinderknochen und Zigarrentabak, dazu Orangenabrieb, Räucherstäbchen, Koriander, Gewürznelken und etwas Limettensaft.
Abgang: Mittellang, fleischig und leicht trocken, ganz zarte Bitterkeit mit Pfeffer und Eichenholz. Zudem finde ich getrocknet Kirschen.
Fazit: Für seine Trinkstärke mit 43% bietet der Bowmore eine schöne Vielfalt mit Sherryeinfluss und angenehmen Torfraucharomen. Auch heute noch eine recht gute Standardabfüllung. 85/100 Punkte (2026)
Bowmore 14 Jahre, Appellations Collection, 43%. Nachreifung in Bordeaux-Weinfässern.
Nase: Süß und zart rauchig. Getrocknete Johannisbeeren, Brombeermarmelade Pfeifentabak, dazu eingelegte Kirschen. Anschließend wird der Bowmore etwas würziger, Walnüsse, Lorbeer, Nelken und sogar etwas Estragon kommen auf.
Gaumen: Brombeermarmelade, rote Johannisbeeren, Himbeergelee, Traubenkerne. Der erste geschmackliche Eindruck ist süß/säuerlich mit einer sehr milden Bitterkeit, die süßen Beerenfrüchte dominieren. Der zarte Torfrauch und die leichten Gewürze haben fast gar keinen Platz, etwas schwarzer Pfeffer und Meersalz schaffen es kurz mal an die Oberfläche.
Abgang: Sehr lang, recht angenehm. Milder Torfrauch, maritime Aromen, Holzpolitur und dazwischen immer wieder cremig wirkende Beerenfrüchte.
Fazit: Wer vielleicht auch im Hochsommer nicht auf Islay-Whisky verzichten möchte, findet in diesem Bowmore einen süßen Vertreter. Cremig, fruchtig und zart rauchig. 84/100 Punkte (2026)
Bowmore 16 Jahre, Appellations Collection, 43%. Ruby Port Finish
Nase: Das Finish macht sich sofort bemerkbar. Reife Weintrauben, Portwein, Gewürze und wärmender Torfrauch. Kirschen, Johannisbeeren und Cranberries, dazu Sandelholz, Lakritz und Lorbeerblätter. Zudem ein Hauch von Sternanis
Gaumen: Hier startet der Bowmore mit reifen Beeren, darunter Himbeeren und Maulbeeren. Dazu kommen erdige und salzigere Aromen sowie der maritime Torfrauch. Geschmacklich sehr harmonisch, allerdings auch etwas eintönig.
Abgang: Sehr lang. Auch im Abgang starten wieder die Beeren, bevor der Torfrauch, Tabak und Sandelholz ergänzen. Anschließend etwas Zirbelkiefer und Elemiharz, was zusammen mit dem Torfrauch einen wärmenden Eindruck hinterlässt.
Fazit: Geruch und Abgang find ich gelungen, im Geschmack kann diese Abfüllung leider nicht mithalten. Insgesamt dennoch eine gelungene Abfüllung. 83/100 Punkte (2026)
Bowmore 19 Jahre, Appellations Collection, 43%. Pinot Noir Wine Barrique Finish.
Nase: Süß, aber irgendwie auch schmutzig. Brombeermarmelade, Pflaumenmus mit Zimt und Gewürznelken, Kakao. Dazu dann aber eben auch der Geruch eines alten Holzhauses und feuchter Keller. Alte Zeitungen zwischen frisch angezündetem Streichholz und Tabakrauch. Anschließend wird der Bowmore wieder süßer, Rohrzucker und Karamell kommen auf.
Gaumen: Kirschlikör mit Karamell, dazu reife Zwetschgen, Rosmarin und Torfrauch. Auch wieder reife Brombeeren kommen auf, zudem vereinzelt der Geschmack von Datteln. Danach übernimmt mild-würziges Eichenholz.
Abgang: Eher lang, harmonisch, führt den Geschmack fort und vereint Torf mit Holzrauch, Leder, Orangenabrieb und Kirschkuchen. Zudem gefällt mir die leicht frische Minze.
Fazit: Diese schmutzigen Aromen im Geruch machen diesen Bowmore für mich überhaupt erst richtig spannend. Aber Achtung, manche werden wohl auch Aromen riechen, welche mit Schwefel assoziiert werden können. Ich mag das ja, aber die Warnung an dieser Stelle muss ein. Im Fazit komme ich auf 87/100 Punkte (2026).
Bowmore 22 Jahre, Appellations Collection, 48%. Sauternes Cask Finish.
Nase: Mineralischer Torfrauch mit Muschelkalk, dazu einige Aromen von getrockneten Früchten. Rosinen, Datteln, getrockneter Rhabarber. Außerdem mischen sich etwas Holzkohle und Meersalz dazwischen, bevor der Bowmore schnell wieder zu seiner Süße zurückfindet. Maraschino-Kirschen, Orangenabrieb, kandierte Limone und ein Hauch von Rosenwasser.
Gaumen: Ölig süß und angenehm rauchig, das Mundgefühl lässt sich am besten als elegant beschreiben. Kubanischer Tabak, Datteln, Rosinen, reife Brombeeren, altes Leder, Maraschino-Kirschen, etwas Teer vom Torfrauch. Außerdem Kokosbutter und zarte Kakaoaromen, ergänzt von Muskat und Menthol.
Abgang: Lang, nussig und rauchig. Gebrannte Walnüsse, ein paar Mandeln, Kastanien, Orangenabrieb Nelkenöl, Limoncello. Und dazu einiges an Torfrauch und Asche.
Fazit: Dieser Bowmore vereint die klassische Eleganz langer Reifung mit einem sehr diversen Aromenspektrum, das Ergebnis macht echt Freude. 88/100 Punkte (2026)
Bowmore 2006 - 2025, 19 Jahre, 51,4%. Thompson Bros für Kirsch Import. Ausbau: Refill Oak Cask #SR25134
Nase: Im ersten Eindruck fettig und cremig, ich denke da an Vanillecreme und Fudge. Anfangs stört der Alkohol noch etwas, das legt sich aber mit genügend Sauerstoff. Aromatisch kommen noch Zitrusfrüchte mit Meersalz, Kerzenwachs, Stachelbeere und Honigmelone auf. Weit entfernt erinnert eine Dampflokomotive an den Torfrauch.
Gaumen: Wärmende Röstaromen treffen auf reife Früchte. Maritimer Torfrauch, gerösteter Pfeffer, kandierte Zitrone, gegrillte Ananas und karamellisierter Rohrzucker. Dazu etwas Bergpfirsich und Aprikose.
Abgang: Sehr lang. Matcha-Tee mit einem Spritzer Zitronensaft. Der Torfrauch wird nun noch einmal etwas stärker und bleibt dann mit Asche und Phenol im Gedächtnis.
Fazit: Ein sauberes Bourbonfass mit klassischem Bowmore-Profil. Gerne mehr davon. 87/100 Punkte (2026)
Frühere Beiträge - Originalabfüllungen
Bowmore 12 Jahre, Originalabfüllung, 40% alc. Ausbau: Ex-Bourbon- und Ex-Sherryfässer
Nase: der Rauch steigt der Nase entgegen, aber nicht zu kräftig. Gepaart ist dieser mit Düften von Mangos und Citrusfrüchten. Wirkt frisch und jung, der Rauch wirkt trocken und salzig, Assoziationen zur wilden Küste von Islay kommen mir den Sinn.
Gaumen: Orangen und Zitronen, dazu Vanille. Sehr frisch, etwas Karamell. Leichte Rauchnoten und ordentlich Salz ohne trocken zu wirken.
Abgang: mittellang mit bitteren Noten, etwas Blutorange. Hinten raus verweilt der Torfrauch.
Fazit: Citrusfrüchte und Rauch sind in der Paarung nicht meins. Grundsolider Single Malt mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. 77/100 Punkte (2012)
Bowmore Enigma - 12 Jahre, Originalabfüllung, 40% alc.
Nase: Rauchig und foral, leicht seifig und irgendwie nach verbranntem Gummi. Dazu cremiger Honig und nicht näher definierbare Früchte. Naturjoghurt und vielleicht Zitrusfrüchte.
Gaumen: Kräftig, trotz der 40%. Die Frucht wird von verbrannten Aromen ins Abseits gedrückt. Ziemlich bitter das Ganze.
Abgang: Mittellang und angenehm, mit schönen Torfnoten und Würze.
Fazit: Nase gewöhnungsbedürftig und ziemlich blumig bis chemisch. Der Gaumen hat mich enttäuscht, der Abgang ist gelungen. 81/100 Punkten (2013)
Bowmore 17 Jahre, abgefüllt 2004, 43% alc. Originalabfüllung.
Nase: Flieder, Veilchen und Lavendel, blumige Aromen verpackt in Weichspüler. Dahinter eine Mischung aus zartem Torfrauch und ein wenig Eukalyptus, vielleicht auch Salbei, anschließend wird der Bowmore fruchtiger. Mandarinen und Orangen.
Gaumen: Ölig, seifig, Lavendel und Veilchen, Honig, rosa Zuckerwatte, ziemlich süß. Etwas Thymian und Salbei finde ich, ein wenig Holzasche und Birkensaft.
Abgang: Mittellang, die Kräuteraromen werden stärker, auch kommt hier das erste Malt der Torfrauch so richtig zum Vorschein. Asche, Thymian und Estragon, Tannengrün, Himbeeren, Seife.
Fazit: Frühere Bowmore haben mit den aktuellen Abfüllungen nicht mehr viel gemeinsam, der Charakter war auf jeden Fall besonders. 83/100 Punkte (2024)
Frühere Beiträge - Unabhängige Abfüllungen
Bowmore 1984 - 2000, 16 Jahre, 50% alc. Abfüller: Douglas Laing (Old Malt Cask). Ausbau: Keine Angabe
Nase: Lavendelseife und leicht phenolischer Torfrauch, dazu Patschuli und Weichspüler. Spannend, wäre da nicht der scharfe Alkohol. Immer wenn sich die Nase daran gewöhnt hat, wirkt der Whisky recht ausgewogen zwischen Torf und fruchtiger Seife, schnell kommt der Alkohol aber störend zurück. Ich rieche noch etwas Apfelsaft und Mandarinen, dann frisch gewaschene Wäsche an Meeresluft.
Gaumen: Seife pur, dazu Torfrauch und Kaugummi. Lavendel, Thymian und Teer, etwas Asche. Dazu mit Zucker getrocknete Äpfel, Kandis, Kräuterbonbons, Stachelbeere. Der Geschmack wird auch von einem seifigen Mundgefühl begleitet, ohne wäre dieser Bowmore gar nicht so extrem.
Abgang: Lang, schlimmer als am Gaumen. Dazu viel verbrannter Teig, schwarzer Toast und Pfeffer.
Fazit: Lavendelaromen in früheren Bowmore sind ja bekannt, auch die Technik überkochende
Brennblasen mit Kernseife zu beruhigen. Ob das bei Bowmore damals gemacht wurde? Keine Ahnung. Aber interessanterweise bleibt selbst im Glas ein leicht schmieriger Film zurück. 74/100 Punkte (2022)
Bowmore 1984 - 2000, 16 Jahre, 45% alc. Abfüller: Samaroli. Ausbau: Sherry Fino Puncheon Nr. 61930
Nase: Extreme Schwefelaromen treffen auf brennende Reifen. Dazu kommt ein penetrantes Aroma von faulenden Eiern. Mit etwas Zeit kommen dahinter feinere Aromen hervor: Streichhölzer, feuchte Braunkohle, Ölzeug. Es folgen Eierlikör und Rosinen sowie Schimmel im Keller. Sehr ambivalent.
Gaumen: Sehr seifiges Mundgefühl, entwickelt eine enorme Süße. Starke Aromen von Rosinen und Datteln, viel Torfrauch und Mandeln, Walnüsse und etwas Zimt. Dazu blumige und florale Aromen, der Schwefel hingegen findet sich nur noch im Hintergrund und hält sich erstaunlich zurück.
Abgang: Lang, eine kuriose Mischung aus Nase und Gaumen. Bleibt säuerlich mit viel Pilz und Schwefel im Gedächtnis.
Fazit: Ein völlig überlagertes Sherryfass, extrem aktiv und entsprechend schwer. Kein Whisky zum abendlichen Genuss. 64/100 Punkte (2021)
Im Fazit möchte ich diesmal aber auch auf die offiziellen Verkostungsnotizen hinweisen, die sich auf dem Backlabel finden: „Smooth and round bouqeut with vanilla and cacao beans traces. Intense sea brackishness in the background. Fruity and floral flavours with seaweedy and goudron touch. Well balanced and distinguished taste with a sharp citron wood and barley drop aroma.“ Übrigens werden für die Flasche mittlerweile bis zu 2.000 € aufgerufen….
Bowmore 1989-2011, 21 Jahre, 46% alc. Silver Seal, Besonderheit: Limitiert auf 565 Flaschen
Nase. Salzig und leicht süß, dahinter dann milder Torfrauch und Zitrusfrüchte. Wirkt sehr leicht, der Whisky schmeichelt sich langsam in die Nase ein. Es folgen Vanille und ein Hauch Muskat, zudem ein wenig Lavendel.
Gaumen: Salzig, grasig, etwas Heuwiese. Limetten und Orangen, sanfter Rauch sowie ein wenig Seegras.
Abgang: Eher kurz, die Gewürze bauen sich dann auf und der Abgang kommt wieder. Spannend mit einer leicht scharfen Würze.
Fazit: Ziemlich einfach, herrlich rund. 86/100 Punkte (verkostet 2015, ca. 180 €) Ich danke dem Whisky Kabinett für das Sample!
Bowmore 1991-2012, 21 Jahre, 55% alc. Abfüller: A. D. Rattray, Ausbau: First Fill Sherrycask, Cask: 2063. Besonderheit: Limitiert auf 547 Flaschen
Nase: Erstaunlich fruchtig im Antritt, eingebunden in einen leichten Rauch. Brombeeren, Himbeeren, Sultaninen, Marzipan. Dazu Maschinenfett und Schwarzpulver. Dahinter Gewürze.
Gaumen: Rauchiger als die Nase, dazu Meersalz und Brackwasser, Küstenaromen. Dazu Nüsse und Gewürze, die Früchte gehen etwas unter. Nur ein wenig Pfirsich und ein Hauch der Beeren bleiben übrig.
Abgang: sehr lang und wärmend, wieder ölig und schön rauchig. Dazu Erdbeeren und Gewürze.
Fazit: Sehr geiler Bowmore, absolut empfehlenswert. 88/100 Punkte (2014)
Bowmore 1996 - 2015, 19 Jahre, 59,1%. Adelphi Selection. Ausbau: Refill Ex-Sherry Hogshead Nr. 960033
Nase: Anfangs Torfrauch, Löwenzahn und Sonnenblumen, anschließend Lakritz und getrocknete Aprikosen, vielleicht auch ein paar Sultaninen und Himbeeren. Dazwischen findet sich eine Pfütze Meerwasser, welches schon länger steht und bisher nicht wieder abfließen konnte. Dazu Sackleinen, etwas feuchte Wolle und Asche.
Gaumen: Intensiv, Teer und viel Asche, der Alkohol treibt den Torfrauch schon sehr stark an. Der Bowmore entfaltet eine angenehm süße Würze mit Anispastillen, Lakritz und etwas Salmiak, anschließenden Backpflaumen mit Zimt, etwas Milchschokolade, einzelne Süßkirschen und wieder Asche.
Abgang: Sehr lang, nun bleibt anhaltender Torfrauch mit einer angenehm Süße. Ruß, getrocknete Brombeeren, schwarze Johannisbeeren, brauner Zucker und eine Prise Zimt
Fazit: Der Bowmore kommt mit intensiven Torfraucharomen und hat dahinter trotzdem noch genügend Platz für recht feine Aromen. Richtig starke Abfüllung. 88/100 Punkte (2025)
Bowmore 1998-2009, ca. 11 Jahre, 46% alc. Abfüller: Duncan Taylor Ausbau: Sherryfass
Nase: Sehr mineralisch, gepaart mit einer leicht cremigen Süße. Milder Torfrauch, sprödes Leder und ein Hauch von feuchtem Holz. Dahinter ein entferntes Lagerfeuer, Sultaninen und Orangen.
Gaumen: Orangen und Grapefruit, Karamell und aromatisierter Pfeifentabak. Etwas Milchschokolade und Johannisbeere, Meersalz und Kandiszucker.
Abgang: Sehr lang, leicht pfeffrig und würzig. Dazu Orangentöne und angenehme Süße. Dahinter kommen dann plötzlich kräftig Thymiansaft und (was bei Bowmore mittlerweile selten geworden ist) Lavendel.
Fazit: Die Thymiannote zum Schluss ist schon sehr speziell - sehr spannend. 85/100 Punkte (2016). Ich danke David F. für die Probe.
Bowmore 1998-2014, 16 Jahre, 56,4% alc. Abfüller: Hart Brothers.
Nase: Blumig, fruchtig und mit Küstenaromen. Lavendel, Salbei und Zitrusfrüchte, dazu serviert der Whisky Vanillecreme und Waldhonig. Die Vanille bleibt eine Zeit lang in der Nase hängen, dann kommen Meersalz, saure Sahne und Torfrauch, welcher süßlich mit einer Prise Asche wirkt.
Gaumen: Tropische Früchte, Vanille und dann erdige sowie mineralische Aromen. Viel Torfrauch, Lagerfeuer, Asche und Gewürze, darunter Salz und grüner Pfeffer.
Abgang: Lang, mineralisch und torfig. Wieder Asche, aber auch medizinische Noten. Dahinter Limetten.
Fazit: Herrliche Nase, der Gaumen wirkt dagegen etwas einfacher. Sehr schöner dram! 87/100 Punkte (2015) Ich danke dem Vertrieb (HEB) für die Probe!
Bowmore 2002 - 2020, 18 Jahre, 53% alc. Abfüller: Wu Dram Clan. Ausbau: Bourbonfass Nr. Z02/20201 (Barrel).
Nase: Ölig, aromatisch, rauchig, wirkt mit seiner Kraft etwas jünger als 18 Jahre. Blutorangen, Meeresluft, Salzwasser und Muschelkalk, dazu frisch geöffnete Austern mit Zitronensaft. Feuer aus Treibgut, feuchtes Holz und etwas Bananenmark. Ergänzend dazu finde ich eine annehme Kräutermischung mit Thymian und Salbei.
Gaumen: Auch hier wieder viel Zitrone und Blutorange, etwas Grapefruit und Drachenfrucht. Dazu kommen maritime Aromen auf, Matjes, Austern und Meersalz. Auch auf dem Gaumen ergänzt eine Kräuternote, ganz entfernt meine ich sogar etwas Lavendel zu finden.
Abgang: Lang und kräftig, der Torfrauch kommt mit einer angenehm Stärke daher. Die Zitrusfrüchte geraten in den Hintergrund, stattdessen nun Pfeffer und noch mehr Thymian.
Fazit: Tiefgründig und komplex. 90/100 Punkte (2022)
Bowmore 2003-2015, 12 Jahre, 49,6% alc. Abfüller: Liquid Treasures (Travel to Mars - Special Edition). Ausbau: Bourbonfass
Nase: Tief mineralisch, Austernschalen, Steilküste, Kiesstrand und Treibholz. Nur ganz weit im Hintergrund verbirgt sich ein milder Fruchtton (Orangen). Zudem Salzwasser, Brack, Salmiak und etwas Lakritz, begleitet von grünen Farnen und mildem Tee.
Gaumen: Intensiver, dagegen wirkt die Nase fast schon stark zurückhaltend. Wieder mineralisch, zudem kommt hier nun der Torfrauch richtig durch. Geräucherter Schinken, Jod, Grillgut und Meersalz. Daneben eine schöne Fruchtmarinade und etwas Bitterkaramell, dahinter grüner Tee.
Abgang: Sehr lang, würzig, rauchig und scharf. Mit Chilisauce, roter Paprika, etwas Eichenholz, Salz und Cayennepfeffer.
Fazit: Die Nase eher zurückhaltend, wenn auch nicht schlecht, auf dem Gaumen intensiv und im Abgang eher scharf, drei sich treffende Welten. Nicht harmonisch, nicht rund, aber wer will das schon immer? 84/100 Punkte (2015) Ich danke dailydram.de für Probe und Foto!





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